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Lesemodus
Ein Kind vor einem Spiegel, dessen Reflexion eine gekrönte Drachen-Königin ist

Fallgeschichte · Anerkennung & Missachtung

Ein RissimSpiegel

Über Anerkennung und Missachtung in pädagogischen Beziehungen

Martin Schäpe

Universität Bielefeld · Wintersemester 2024/25
Seminarleitung: Prof. Dr. Birgit Lütje-Klose

„Ich schäme mich meiner, so wie ich dem Anderen erscheine.“
Jean-Paul Sartre · Das Sein und das Nichts, 1943

Prolog · Nach einer wahren Begebenheit

An jenem Vormittag ging ich zwischen den Tischen umher und half, wo ein Kind die Hand hob — so, wie man es als Praktikant tut. An einem der vorderen Pulte saß ein Junge tief über sein Heft gebeugt: die Zunge zwischen den Zähnen, den Stift zu fest gegriffen, als ließe sich Richtigkeit erzwingen. Ich nenne ihn Elias; seinen wirklichen Namen darf ich nicht preisgeben. Er war an diesem Morgen mit den Gedanken weit fort — ein Träumer über einer Pflichtübung, die ihn nicht lockte.

Ich erzähle sie — für alle, die mit Kindern arbeiten, und nicht zuletzt für mich selbst —, weil ich jenen Vormittag nicht vergessen konnte. Ein einziger Augenblick darin hat eine Frage berührt, die jeden Menschen sein Leben lang begleitet.

Denn im Blick des Anderen sucht jeder von uns die Antwort auf dieselbe Frage: Wer bin ich? Kinder stellen sie zuerst, und sie stellen sie am schutzlosesten — lange, bevor sie Worte dafür haben. Was ihnen aus den Augen der Erwachsenen entgegensieht, wird zu dem Bild, in dem sie sich selbst erkennen.

Diese Geschichte beginnt mit einem Riss. Mit einer herausgerissenen Heftseite — und mit dem Augenblick, in dem aus einer Schreibübung das Urteil über einen Menschen wird.

Der Stolperstein

Eine zweite Klasse,
mitten im Deutsch­unterricht

Eine Regelklasse, vierundzwanzig Kinder, zweites Schuljahr. Deutsch, Arbeitsphase: das Kratzen von zwei Dutzend Stiften, das Rücken eines Stuhls, sonst Stille. Vor Elias lag eine Seite, an der er schon eine Weile arbeitete — eng beschrieben, ausradiert, neu geschrieben, an einer Stelle das Papier vom Radiergummi dünn gerieben. Viele Wörter standen falsch da — nicht, weil er es nicht gekonnt hätte, sondern weil er an diesem Morgen ganz woanders war.

Lerngruppe
24 Kinder
Jahrgang
2. Klasse
Situation
Deutsch
Ort
Klassenzimmer
Ein dunkelhäutiger Junge schreibt konzentriert an seinem Pult
Elias an seinem Pult, über der Schreibaufgabe.

Was geschah

Als die Aufgabe fertig war, trug Elias sein Heft nach vorn — zur Korrektur, so, wie man es ihm beigebracht hatte. Die Lehrerin schlug die Seite auf und überflog sie: die zu fest gemalten Buchstaben, die durchgestrichenen Wörter, die vom Radiergummi dünn geriebene Stelle. Einen Augenblick lang geschah nichts.

Dann fasste sie das Blatt und riss es heraus. Das Geräusch reißenden Papiers stand einen Atemzug lang im ganzen Raum.

Köpfe hoben sich. Doch dabei beließ sie es nicht: Sie wandte sich der ganzen Klasse zu und machte Elias zum Exempel — wer künftig mehr als zwei Rechtschreibfehler auf einer Seite habe, dem reiße sie die Seite ebenso heraus; der müsse alles noch einmal schreiben. Niemand sagte ein Wort. Ich auch nicht.

Eingelöst hat sie diese „Regel“ nie — bei keinem anderen Kind riss sie je eine Seite heraus. Sie traf allein ihn.

Was nun folgte, war kein Lernen mehr. Elias verstummte; Mitarbeit und Aufnahmebereitschaft waren mit einem Schlag erloschen. Noch am selben Tag wurde die Mutter benachrichtigt und sein „Fehlverhalten“ zu den Akten genommen.

Aus einer Korrektur war eine Bloßstellung geworden — und aus einer Regel ein Vorwand.

Eine Hand reißt eine beschriebene Heftseite heraus; im Hintergrund das Kind
Die herausgerissene Seite — der Riss.
Ein kleiner Junge, hinter ihm an der Wand ein riesiger Drachen-Schatten
Das Bild, das auf das Kind geworfen wird — größer, fremder, bedrohlicher als das Kind selbst.

Im Raum

Ich blieb nicht unberührt — und ich schwieg.

WutMitleidÄrgerÜberforderung

Ich war Praktikant, der Lehrerin untergeordnet — in ihrem Klassenzimmer, in ihrer Klasse. Für das, was ich fühlte, gab es keinen Ort. Ich half an jenem Vormittag manchem Kind; in diesem Augenblick aber griff ich nicht ein. Diese Hilflosigkeit ist der Grund, warum ich heute schreibe.

Der herausgerissene Vormittag war kein Ausrutscher. Über die Wochen merkte ich, dass die Lehrerin Elias beständig auf dem Kieker hatte.

Es hieß, er sei „ständig in Konflikte verwickelt“. Doch je länger ich zusah, desto mehr zweifelte ich an diesem Satz: Dieselben Reibereien, die bei anderen Kindern als Alltag durchgingen, wurden bei ihm zur Akte. Vielleicht war er nicht häufiger im Streit — er wurde nur häufiger dafür gesehen.

Was nun kommt, sagte sie nicht im Affekt — es war ihre Sicht auf dieses Kind.

In ihren eigenen Worten. Berühren, um aufzudecken

„Der ist doch gestört, der muss irgendeine geistige Behinderung haben.“Aufdecken „Ich wäre als Kind nicht gern mit ihm befreundet gewesen. Der ist halt so ein typischer Asi.“Aufdecken

Es war kein Mitschüler. Diese Worte sprach dieselbe Lehrkraft, die die Seite herausriss — seine Klassenlehrerin.

Manchmal fragte ich mich, ob nicht auch er etwas in ihr berührte — etwas, das älter war als dieses Klassenzimmer und größer als ein verschriebenes Blatt. Eine Antwort hatte ich damals nicht.

Dabei war Elias das Gegenteil dessen, was sie in ihm sah. Ein Träumer, gewiss — an manchen Tagen mit den Gedanken weit fort, nicht immer bei der Sache. Doch Verträumtheit ist kein Mangel an Verstand und erst recht kein Makel des Charakters: Ein Kind, das träumt, ist weder weniger klug noch weniger wert.

Denn dieser Junge besaß eine Klugheit, die mich immer wieder überraschte. Er las viel — in der Antolin-App sah ich, wie viel. Von der DNA hatte er, in ersten Umrissen, schon eine Vorstellung. Und als die Lehrerin die Klasse einmal nach weiteren Nomen fragte, antwortete er: „Blau“ — und meinte das Blau des Himmels.

In meinen Augen war er ein Genie. In ihren ein Fall.

Theorie · Jean-Paul Sartre

Der Blick, der
zum Ding macht

Sätze wie „der ist gestört“ oder „so ein typischer Asi“ beschreiben nicht nur — sie sehen den Jungen an. Und in diesem Gesehen-Werden geschieht etwas mit ihm. Sartre nennt es den Blick (le regard): Sobald ein Anderer mich ansieht, bin ich nicht länger allein Subjekt meiner Welt, sondern werde zum Objekt in der seinen — festgelegt, eingeordnet, beurteilt. Aus dem Für-sich wird ein Für-Andere-Sein (l’être-pour-autrui).

Die Scham ist in ihrer ursprünglichen Struktur Scham vor jemandem.

Scham, schreibt Sartre, ist keine bloße Empfindung — sie ist Anerkennung: Ich erkenne an, dass ich bin, wie der Andere mich sieht. Das Kind, dessen Heftseite zerrissen wird, errötet nicht über die Fehler. Es errötet darüber, als der zu erscheinen, für den es nun gehalten wird. Der fremde Blick hat ihm ein Bild gegeben, das es nicht gewählt hat — und dem es kaum entkommt.

Objektivierung

Im Blick des Anderen verliere ich die Verfügung über das Bild, das von mir entsteht. Wo dieser Blick verachtet, gerinnt das Kind zu dem, was es in den Augen des Erwachsenen ist: ein Fall, eine Diagnose, ein Störfaktor. (vgl. Sartre 1943)

Ein Junge im Lichtkegel, umringt von körperlosen Augen und Lorgnetten, die ihn fixieren
Im Blick der Anderen wird das Kind zum betrachteten Objekt.

Die Fragen

Aus dem Stolperstein
werden Fragen

Wenn ein einziger Blick ein Kind so festlegen kann, verlangt dieser Moment mehr als Empörung. Er wird zur Frage — zu drei Fragen, die diese Arbeit leiten.

Wie oft?

Wie und wie oft werden Kinder in pädagogischen Interaktionen verletzt?

Was bedeutet es?

Was geschieht, wenn einem Menschen die Anerkennung des Anderen versagt bleibt — mehr noch: wenn sich in dessen Blick Ablehnung oder Verachtung spiegelt?

Was folgt für mich?

Was leitet sich daraus für mein Handeln als Lehrkraft ab? Wie lässt sich anerkennendes Verhalten operationalisieren?

Einordnung

Wo der Fall die
Standards berührt

Der Vorfall ist kein Randthema. Er trifft den Kern dessen, was Schule sein soll — festgehalten im Referenzrahmen NRW und in den KMK-Bildungsstandards.

Referenzrahmen NRW · Dimension 3.2

Kultur des Umgangs miteinander

„Der Umgang miteinander ist von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Unterstützung geprägt.“ Schüler*innen fühlen sich wertgeschätzt, respektiert und angenommen.

KMK-Bildungsstandards · 2022

Wertschätzende Beziehung

Lehrkräfte begegnen Schüler*innen wertschätzend und gestalten Lernsituationen, in denen Wertschätzung und Anerkennung erfahrbar werden.

KMK (2022): Standards für die Lehrerbildung – Bildungswissenschaften.

Theorie · Annedore Prengel, 2019

Wenn Sprache verletzt

Standards beschreiben, wie es sein soll. Annedore Prengel hat untersucht, wie es oft ist — und der Befund ist unbequem. Sie zeigt: Pädagogische Fachkräfte begehen häufig — und meist unbewusst — verbale Übergriffe, die Kinder und Jugendliche verletzen. Das Verletzende geschieht oft beiläufig — und bleibt eben darum unbemerkt.

Formen

01Bloßstellung — vor der Gruppe exponieren
02Beschämung — das Kind klein machen
03Ignorieren — Bedürfnisse übergehen
04Diskriminierende Kritik — abwerten statt korrigieren

Bei Elias fielen mehrere dieser Formen zusammen — allen voran die erste: Was die Lehrerin als „Regel“ vor die Klasse trug, war Bloßstellung, die ihn vor allen anderen zum Exempel machte.

Folgen

Langfristige psychische Belastungen, Leistungsblockaden, eine negative Selbstwahrnehmung — Spuren, die weit über den Moment hinausreichen.

„Gewalt ist nicht nur physisch auch Sprache kann schwer verletzen.“

Ein riesiger schreiender Mund schleudert dolchartige Worte auf einen kleinen Jungen, der sich schützend zusammenkauert
Worte als Geschosse — verletzende Sprache trifft wie ein körperlicher Angriff.

Lösungsansätze: Sensibilisierung · ethische Standards · konstruktive pädagogische Beziehungen

INTAKT-Studie

Wie häufig verletzt wird

Das Projektnetz INTAKT untersuchte destruktive pädagogische Praktiken in Schulen und Kitas. Die Befunde sind ernüchternd — und zugleich ein Auftrag.

Schätzfrage · stell den Regler auf deine Vermutung

Wie viel Prozent der Lehrer-Schüler-Interaktionen haben im Schnitt einen verletzenden Anteil?

15%
0 %25 %50 %

Anerkennende oder neutrale Interaktionen≈75%
Der Schulalltag ist überwiegend zugewandt — das macht die Ausnahmen nicht kleiner
Interaktionen mit verletzendem Anteil≈25%
Rund jede vierte Lehrer-Schüler-Interaktion
Davon sehr bzw. schwer verletzend≈6%
Etwa jede sechzehnte Interaktion

Neu gestaltet nach Befunden des Projektnetzes INTAKT (Prengel u. a. 2019). Gerundete Durchschnitte über alle Schulformen.

Mit jeder vierten Lehrer-Schüler-Interaktion ist eine Verletzung verbunden — und in jeder sechzehnten erleben Lernende die starke Missachtung eines Mitschülers durch eine Lehrkraft.

Annedore Prengel · die „plakative Faustformel“ von INTAKT

Methode · Beobachtungsstudie

Worauf die Zahlen beruhen

Rund 15.000 Interaktionsszenen aus etwa 120 Schulen (Primarstufe, Sekundarstufe I & II), erhoben 2010–2013, wurden mit einem sechsstufigen Instrument kodiert — von „sehr anerkennend“ bis „sehr verletzend“. Es sind Durchschnittswerte: Sie verurteilen keine einzelne Lehrkraft, sondern machen ein verbreitetes, meist tabuisiertes Muster sichtbar. Auffällig: Bei Erst- und Zweitklässlern ist der Anteil nicht geringer als im Schnitt. (Prengel 2019)

Destruktive Muster im Klassenzimmer

Öffentliche Demütigung & Sarkasmus
Bloßstellen vor der Klasse
Keine Intervention bei Konflikten
Ignorieren von Störungen und Bedürfnissen
Mangel an Empathie

Wissenschaft · Folgen

Was ein Blick
im Körper anrichtet

Missachtung bleibt nicht im Moment. Sie schreibt sich ein — in Stresssysteme, in das Selbstkonzept, in die Leistung. Drei gut belegte Mechanismen zeigen, warum der Riss mehr beschädigt als eine Heftseite.

Scham als soziale Verletzung

Beschämung aktiviert dieselben Stress- und Bedrohungssysteme wie körperliche Gefahr. Anhaltende Scham gilt als Risikofaktor für Rückzug, Aggression und depressive Entwicklung. (vgl. Prengel 2019)

Die sich erfüllende Erwartung

Erwartungen von Lehrkräften beeinflussen messbar die Leistung von Kindern — der Pygmalion-Effekt. Wer als „gestört“ gilt, dessen kleinste Normverletzung wird sofort registriert; das Etikett bestätigt sich selbst. Wen eine Lehrkraft ohnehin „auf dem Kieker“ hat, der bekommt genau diese Mühle zu spüren: Jeder Fehler wird zum Beweis, jede Seite voller Fehler zum Urteil. (Rosenthal & Jacobson 1968)

Bedrohung durch Stereotype

Schon das Bewusstsein eines negativen Stereotyps über die eigene Gruppe senkt die Leistung — auch entlang sozialer Herkunft. „So ein typischer Asi“ ist kein Befund, sondern eine Bedrohung, die das Scheitern herstellt, das sie behauptet. (Steele & Aronson 1995; Croizet & Claire 1998)

Eine zerrissene Heftseite am Boden, ein Riss zieht sich zum Kind; daneben Nadel und Faden
Der Riss zieht weiter — doch Nadel und Faden warten schon.

Der Riss heilt nicht von selbst. Aber er ist umkehrbar — und ob er heilt, entscheidet sich nicht irgendwann, sondern in genau dem Alter, in dem der Junge gerade steht.

Theorie · Erik H. Erikson

Werksinn —
oder Minderwertigkeit

Erikson beschreibt die menschliche Entwicklung als Folge von acht psychosozialen Krisen. Jede stellt eine Frage, die nur im Verhältnis zu Anderen beantwortet wird. Eine dieser Stufen fällt genau in das Alter dieses Jungen — und sie handelt von nichts anderem als dem, was im Klassenzimmer geschah.

010–1½ J.
Säugling

Urvertrauenvs.Urmisstrauen

021½–3 J.
Kleinkind

Autonomievs.Scham & Zweifel

033–6 J.
Spielalter

Initiativevs.Schuldgefühl

04 6–12 J.
Schulalter
◆ Hier steht der Junge

Werksinnvs.Minderwertigkeit

Die Leitfrage lautet: „Kann ich etwas leisten — und werde ich dafür gesehen?“ Gelingt Anerkennung der eigenen Arbeit, wächst ein stabiles Kompetenzgefühl. Bleibt sie aus oder wird Leistung beschämt, verfestigt sich ein Gefühl der Unzulänglichkeit.

0512–18 J.
Adoleszenz

Identitätvs.Identitätsdiffusion

06frühes Erw.­alter

Intimitätvs.Isolation

07mittleres Erw.­alter

Generativitätvs.Stagnation

08reifes Alter

Integritätvs.Verzweiflung

Psychosoziale Entwicklung

Warum gerade dieses Alter so verletzlich ist

Im Schulalter verlagert sich die Anerkennung vom Elternhaus auf Lehrkräfte und Gleichaltrige; die Schule wird zur Bühne, auf der das Kind erfährt, ob sein Tun etwas taugt. Erikson nennt die Gefahr dieser Stufe ausdrücklich das Gefühl der Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit — es entsteht, wenn ein Kind an seinen Werkzeugen und Aufgaben scheitert und dafür nicht gestützt, sondern abgewertet wird. (Erikson 1959/1973)

Eine herausgerissene Seite „wegen zu vieler Fehler“ trifft nicht eine Aufgabe. Sie trifft die Frage, ob das Kind etwas kann — auf der Stufe, auf der sich genau das entscheidet.

Spiegelprozesse

Die Befunde zeigen, dass der Blick verletzt — und wie oft. Doch was im Blick eigentlich geschieht, fasst ein einziges Bild: der Spiegel. Denn ein Kind erkennt sich nicht von innen — es erkennt sich in dem, was die Anderen ihm zurückgeben.

Der Spiegel kann täuschen oder enthüllen, verbergen oder offenbaren trügen oder die Wahrheit sagen.

Nach Dornes, 2001 · S. 175

Diptychon: links eine Königin, deren Spiegelbild zum Drachen wird; rechts ein Junge, auf den derselbe Drache als Schatten fällt
Was die Erwachsene im Spiegel erblickt — ihr eigenes Ungeheuer — wirft sie auf das Kind.

Theorie · Jacques Lacan

Das Spiegelstadium

Lacan versteht das Spiegelstadium als Identifikation im vollen Sinne — als eine durch die Annahme eines Bildes ausgelöste Verwandlung des Subjekts.

Jubilatorische Reaktion

Das Kind blickt in den Spiegel — und jubelt.

Ein Gegenüber

Es denkt, da sei jemand: ein Spielkamerad.

Die Probe

Es macht „Faxen“, schaut hinter den Spiegel: Wer ist das?

Die Antwort des Anderen

Die Bezugsperson bestätigt freudestrahlend: „Ja, das bist Du!“

„Das bin ich.“

Das Kind erfährt sich in seiner Ganzheit und Omnipotenz. (Pagel 1999)

Täuschung & Entfremdung

Positive und negative Spiegelung

Das Kind sieht nicht sich selbst, sondern sein Bild — außerhalb seiner. Lacan nennt diese Selbsterkenntnis eine notwendige Verkennung (méconnaissance): Das Ich gründet von Anfang an auf der Identifikation mit etwas, das es nicht ganz ist. Diese Spaltung (je und moi) begleitet das ganze Leben. Positive Spiegelung der Bezugsperson schenkt Welt- und Selbstvertrauen. Negative Spiegelung hinterlässt Weltmisstrauen und Selbstfragmentierung.

Eine Bezugsperson kniet neben einem Kind, das jubelnd sein Spiegelbild berührt
„Ja, das bist Du.“ — die positive Spiegelung.

Doch was, wenn die Antwort des Anderen nicht „Ja, das bist Du“ lautet? Der Junge in der zweiten Klasse hält seine Seite hin — und liest im Gesicht, das sich ihm zuwendet, das Gegenteil.

Theorie · Lacan, Seminar XI

Nicht nur, wer sieht —
auch, wer gesehen wird

Das Spiegelstadium handelt vom Bild. Der Titel dieser Geschichte aber meint mehr: den Blick selbst. Lacan unterscheidet schärfer als jede Alltagssprache — zwischen dem Auge, das schaut, und dem Blick, der zurückkommt.

„Ich sehe nur von einem Punkt aus“, sagt Lacan, „aber in meinem Dasein werde ich von überall her angeblickt.“ Der Blick gehört nicht mir — er liegt auf der Seite des Anderen, der Welt, der Dinge. Noch ehe das Kind sehen lernt, ist es schon Schauspiel: angesehen, eingeschätzt, erwartet.

Imaginäres · Symbolisches

Im Imaginären verliebt sich das Ich in ein Bild — das Spiegelstadium. Im Symbolischen weist die Sprache der Anderen dem Subjekt einen Platz zu. Wird ein Kind „der Gestörte“, „der Asi“ genannt, fällt es nicht in eine Beschreibung, sondern in einen Signifikanten — einen Platz im Reden der Anderen, der es festhält. (Lacan 1973; vgl. Pagel 1999)

Ein Junge blickt durch ein Schlüsselloch; der ganze Raum ist mit Augen bedeckt
„Ich sehe nur von einem Punkt aus — doch ich werde von überall her angeblickt.“

Der Junge sieht die Tafel, das Heft, die Hand der Lehrkraft. Was er nicht sieht und doch spürt: dass er angesehen wird — und wie.

Theorie & Wissenschaft · Winnicott · Tronick

Das erste Gesicht,
der erste Spiegel

Lacans Spiegel ist aus Glas. Doch lange vor jedem Glas hat ein Kind bereits in einen Spiegel geblickt: in das Gesicht dessen, der sich ihm zuwendet. Donald Winnicott stellt dazu eine täuschend einfache Frage — und gibt eine Antwort, die alles über das Klassenzimmer sagt.

Die Spiegelrolle des Gesichts

„Was sieht der Säugling, wenn er in das Gesicht der Mutter blickt?“

Winnicotts Antwort: „In der Regel sieht er sich selbst.“ Das zugewandte Gesicht gibt dem Kind zurück, was es darin findet — es bestätigt: Du bist, und du bist willkommen. Bleibt das Gesicht verschlossen oder spiegelt es nur die eigene Stimmung der erwachsenen Person, so erblickt das Kind nicht sich selbst, sondern diese Stimmung. Es lernt, das Gesicht zu lesen, statt sich darin zu erkennen. (Winnicott 1971)

In der Schule ist die Lehrkraft genau dieser Spiegel. Was der Junge in ihrem Gesicht liest, ist kein „Ja, das bist Du“, sondern Ärger, Abwendung, Verachtung. Der Spiegel gibt ihm nicht ihn selbst zurück — er gibt ihm ihr Urteil.

Das Experiment · Still-Face-Paradigma · Tronick 1978

Dass das erstarrte Gesicht ein Kind nicht kaltlässt, sondern es messbar erschüttert, gehört zu den am häufigsten replizierten Befunden der Entwicklungspsychologie.

Zuwendung

Bezugsperson und Kind spielen einander zugewandt: Blicke, Laute, Gesten antworten einander. Wechselseitigkeit — das Kind erfährt sich als wirksam.

Das erstarrte Gesicht

Auf ein Signal hin wird das Gesicht der erwachsenen Person ausdruckslos — regungslos, unbeteiligt. Binnen Sekunden versucht das Kind, sie zurückzuholen: es lächelt, zeigt, ruft. Bleibt die Antwort aus, folgen Abwenden, Anspannung, Rückzug, Verzweiflung.

Wiederzuwendung

Kehrt das Gesicht zurück, geschieht Reparatur: Die meisten Kinder fangen sich rasch wieder — wenn die Wiederzuwendung kommt. An ihr entscheidet sich alles.

Das unbeteiligte Gesicht ist für das Kind nicht neutral — es ist eine Bedrohung. (Tronick u. a. 1978)

Ein Kind blickt in das große Gesicht einer erwachsenen Person, das wie ein Spiegel erstarrt; im Auge schimmert noch das ganze Kind
Das erste Gesicht — der Spiegel, der bestätigt, und der Spiegel, der erstarrt.

Eine herausgerissene Seite ist, für einen Augenblick, ein erstarrtes Gesicht — die erwachsene Person wendet sich ab von dem, was das Kind geschaffen hat. Der erstarrte Blick ist nie neutral. Die einzige Frage ist, ob die Wiederzuwendung kommt.

Kupferstich: Herr und Knecht — die thronende Drachen-Königin und das Kind mit dem eigenen Licht
Herr und Knecht — eine paradoxe Abhängigkeit.

Theorie · G. W. F. Hegel

Auf den Anderen
angewiesen

Das erste Gesicht schenkt die Antwort „Du bist“ — im besten Fall mühelos. Hegel erinnert daran, dass dieselbe Antwort auch errungen werden muss. Bei der Frage Wer bin ich? ist der Mensch stets auf ein Gegenüber angewiesen. Identität entsteht nicht im Alleingang — sie wird im Kampf um Anerkennung errungen.

Dialektik von Herr und Knecht

Einer setzt sich als Herr durch, der andere unterliegt als Knecht. Doch der Knecht gewinnt durch Arbeit und Erfahrung ein stärkeres Selbstbewusstsein — während der Herr abhängig bleibt von dessen Anerkennung. (vgl. Kuch 2013)

Wer normabweichendes Verhalten zeigt, entspricht oft nicht dem Begehren des Anderen. Wo Anerkennung stehen sollte, spiegeln sich Irritation, Hilflosigkeit, mitunter Schuld und Ablehnung.

Theorie · Axel Honneth

Anerkennung & Missachtung —
drei Sphären

Hegels Gedanke wird bei Axel Honneth zur Sozialtheorie. Menschen werden auf drei Weisen anerkannt — und auf drei Weisen verletzt. Jede Form der Anerkennung stiftet eine bestimmte praktische Selbstbeziehung; jede Missachtung beschädigt sie.

Triptychon dreier Medaillons: Umarmung, Kind am runden Tisch unter Gleichen, Kind zeigt stolz seine Zeichnung
Drei Sphären der Anerkennung — Liebe · Recht · Solidarität.
01

Liebe

Zuwendung, emotionale Sicherheit → Selbstvertrauen

Missachtung Misshandlung, Entzug von Fürsorge

02

Recht

Als gleichberechtigte Person geachtet → Selbstachtung

Missachtung Entrechtung, Ausschluss

03

Solidarität

In den eigenen Fähigkeiten geschätzt → Selbstschätzung

Missachtung Entwürdigung, Herabsetzung

Der zerrissenen Heftseite begegnen wir in der dritten Sphäre: Was das Kind geschaffen hat, wird vor der Gruppe entwertet — und mit dem Werk das Kind. Wo Anerkennung Selbstschätzung nährt, hinterlässt Entwürdigung ihre Kehrseite: Scham. (vgl. Honneth 1992)

Theorie · Lacan

Das Begehren ist das Begehren des Anderen.

Honneth zeigt, dass wir Anerkennung brauchen. Lacan zeigt, wie tief diese Abhängigkeit reicht: Der Ausgang des Spiegelstadiums ist der Übergang vom spiegelbildlichen zum gesellschaftlichen Ich. Das Kind wird abhängig vom Begehren des Anderen. (vgl. Dornes 2018)

Und Elias? In den Augen, die ihn ansehen, findet er kein „Ja, das bist Du“. Er findet einen Riss.

Theorie · Emmanuel Levinas

Das Antlitz,
das mich angeht

Sartres Blick macht zum Ding; Lacans Blick weist einen Platz zu. Levinas kehrt die Richtung um. Noch ehe der Andere etwas ist, das ich ansehe, sieht er mich an — und dieser Blick ist keine Bedrohung, sondern ein Anspruch. Das Antlitz (le visage) ist das Einzige in der Welt, das sich nicht auf ein Bild bringen lässt.

Das Antlitz ist nackt, schutzlos — und gerade in seiner Schutzlosigkeit gebietet es. Levinas hört in ihm ein erstes Wort, das aller Sprache vorausliegt: den Anderen nicht zu verletzen, ihn nicht zu reduzieren, ihn nicht im Stich zu lassen.

Das Antlitz ist das, was man nicht töten kann — oder dessen Sinn darin besteht, zu sagen: „Du sollst nicht töten.“

Emmanuel Levinas · Totalität und Unendlichkeit, 1961

Verantwortung vor jeder Wahl

Ethik als erstes Ereignis der Begegnung

Im Antlitz des Anderen bin ich, noch ehe ich es wähle, schon verantwortlich. Ethik ist keine Regel, die später hinzukommt — sie ist das, was im Ansehen zuerst geschieht. Die Lehrkraft, die die Seite zerreißt, bricht nicht bloß eine Vorschrift: Sie wendet sich ab von einem Antlitz, das sie verpflichtet hatte, bevor irgendeine Regel galt. (vgl. Levinas 1961)

Das Kind wendet sein Gesicht zum ersten Mal frontal dem Betrachter zu; ringsum weichen die beobachtenden Augen und der Drachenschatten zurück
Das Antlitz, das nicht reduziert werden kann — und gerade darin gebietet.

Wo Sartre und Lacan im Blick das Kind an ein Bild fesseln, öffnet Levinas den Ausweg: In dem Augenblick, in dem die erwachsene Person das Antlitz des Kindes gelten lässt, wird aus dem Blick Verantwortung — und der Riss beginnt zu heilen.

Ein Zeugnis · Katja Rohde

„Bis eine Lehrerin
entdeckte …“

„Ich wurde für geistig behindert gehalten … Unentdeckt war ich hochintelligent, gehalten wurde ich für eine schwachsinnige Saga der Schöpfung … bis dass eine Lehrerin entdeckte, dass ich lesen und schreiben konnte, wenn man mich stützte. Da war ich vierundzwanzig Jahre alt.“

Katja Rohde (2003): Ich Igelkind. S. 57 f.

Dieselben Worte — „der muss behindert sein“ — fielen über Elias. Rohdes Zeugnis hält fest, was ein einziger anerkennender Blick auslösen kann — und wie spät er manchmal kommt. Sie war vierundzwanzig.

Ein Kind, eingerollt wie ein Igel aus Tinten-Stacheln, ein sanfter Lichtstrahl findet es
Eingerollt wie ein Igel — bis ein Blick entdeckt, was darunter liegt.

Was blieb

Ich weiß nicht, was aus Elias wurde.

Mein Praktikum endete, ich verließ die Schule, und niemand fragte einen Praktikanten, wie es dem Jungen aus der zweiten Klasse erging. Vielleicht hat ihn später jemand gesehen — so, wie Katja Rohde mit vierundzwanzig endlich gesehen wurde. Vielleicht auch nicht.

Was ich damals nicht ändern konnte, lässt sich nicht nachholen. Aber ich kann die eine Frage beantworten, die mich seit jenem Vormittag nicht loslässt: Was hätte an meiner Stelle geschehen müssen — und was an ihrer?

Die Antwort · Reckahner Reflexionen

Gute pädagogische
Beziehungen

Sie bilden ein Fundament dafür, dass Leben, Lernen und demokratische Sozialisation gelingen. Die Reckahner Reflexionen stärken die wechselseitige Achtung der Würde aller — als Orientierung für dauerhafte professionelle Entwicklung auf der Beziehungsebene.

Handlungsalternativen im Sinne der Reckahner Reflexionen

Den Fehler vom Kind trennen

Die Aufgabe korrigieren — nicht das Kind beschämen.

Das Werk des Kindes achten

Kein Heft, keine Seite wird zerstört. Was das Kind geschaffen hat, bleibt unversehrt.

Nie vor der Gruppe

Was zu klären ist, klärt sich unter vier Augen — kein Kind wird vor der Klasse zum Exempel gemacht.

Den Blick wenden

Stärke spiegeln, wo das Kind Scheitern erwartet: „Das hast du versucht — gehen wir es zusammen an.“

Beziehung vor Protokoll

Zuwendung statt Sanktion. Das Gespräch sucht das Kind, nicht die Akte.

Eine zugewandte Lehrkraft kniet zum Kind und fügt die zerrissene Seite wieder zusammen
Den Blick wenden: die Seite wird wieder ganz.

Konsequenz · Die eigene Haltung

Was ich für meine
eigene Profession mitnehme

Der verachtende Blick entsteht selten im Kind. Häufiger entsteht er in der erwachsenen Person selbst — und sucht im Kind nur ein Gegenüber, an dem er sich entladen kann.

Was eine Lehrkraft im Kind zu sehen meint, ist nicht immer das Kind. Oft ist es ein eigener, schwer erträglicher Anteil — eine alte Kränkung, ein Gefühl von Unzulänglichkeit —, der von sich selbst abgespalten und nach außen verlagert wird. Das Kind wird zur Projektionsfläche und beginnt, sich genau so zu verhalten, wie es gesehen wird — eine projektive Identifizierung.

Projektion · Abspaltung · projektive Identifizierung

Wer den eigenen innerpsychischen Konflikt nicht selbst trägt, gibt ihn weiter. Den abgespaltenen Anteil im Kind zu bekämpfen, heißt, den eigenen Schmerz im Anderen zu strafen. (vgl. Sartre 1943; psychodynamisch: projektive Verlagerung)

Damals, im Klassenzimmer, fragte ich mich das nur. Heute hat die Frage einen Namen. Vielleicht rührte gerade dieses Kind — sein Trotz, seine Verletzlichkeit, sein Anderssein — an etwas Altem in ihr: an eine eigene Geschichte von Ohnmacht oder Härte, die er, ohne es zu wollen, wieder wachrief. Dann reagierte sie nicht auf Elias, sondern auf das, was er in ihr auslöste.

Übertragung · Gegenübertragung

Ein Kind überträgt früh Erfahrenes auf die Lehrkraft — und sie antwortet aus ihrer eigenen, oft unbewussten Resonanz darauf. Bleibt diese Gegenübertragung unerkannt, wird sie ausagiert statt verstanden; die Erwachsene gerät zur Bühne für einen Konflikt, der nicht dem Kind gehört. (psychodynamisch: Übertragung/Gegenübertragung)

Lehrerin und Junge stehen sich gegenüber; ein feiner Lichtfaden läuft von ihm zu ihrer Brust, wo in einem Medaillon-Fenster ein kleines, altes Kind-Ich von ihr selbst sichtbar wird
Nicht das Kind erreicht sie unmittelbar — es weckt ein Altes, Eigenes in ihr.

Die professionelle Konsequenz ist darum nicht, besser zu verbergen, was ich fühle. Sie ist, meinen eigenen Anteil nicht von mir abzuspalten und auf das Kind zu übertragen — sondern den inneren Konflikt selbst zu lösen: am eigenen Selbstwert zu arbeiten und meine destruktiven Anteile zu begrenzen.

Analogie · Schematherapie

In dieser Sprache ist der verachtende Blick ein aktivierter strafender Modus. Reife Professionalität stärkt den „gesunden Erwachsenen“, der diesen Modus begrenzt und den eigenen verletzlichen Anteil tröstet — so muss er nicht länger im Kind bekämpft werden.

Im Schulalltag stellt sich dieselbe Aufgabe ganz praktisch: zu reagieren, wenn ein Kind provoziert, ohne in die Eskalation hineingezogen zu werden. Auch dafür gibt es einen eigenen Ansatz.

Parallel · LSCI (Schulkontext)

Die Life Space Crisis Intervention beschreibt den Konfliktkreislauf: Der Stress eines Kindes löst ein Verhalten aus, das die Erwachsene spiegelt und eskaliert — bis die Krise dem Kind sein negatives Selbstbild nur bestätigt. Professionell ist, aus dem Kreislauf auszusteigen, statt ihn zu schließen: reguliert bleiben, die eigene Gegen-Aggression bemerken und die Krise in einen Lernmoment wenden. (Long, Wood & Fecser; nach Redl)

Eine erwachsene Figur hält ihren eigenen gekrönten Drachen-Anteil an sich und bindet ihn behutsam mit goldenem Faden, während das Kind unberührt im Licht steht
Den eigenen Anteil halten, nicht auf das Kind werfen — und ihn am goldenen Faden eher befrieden als bekämpfen.

Doch vielleicht ist begrenzen nicht das letzte Wort. Einen Drachen muss man nicht erschlagen, um vor ihm sicher zu sein. Man kann ihn befrieden — seine Wut anhören, ihn halten, bis das Feuer in ihm zur Ruhe kommt. Man kann sich mit ihm versöhnen — ihn als den eigenen anerkennen, statt ihn zu verleugnen. Und man kann ihn am Ende integrieren — ihn nicht länger als Feind führen, sondern als Teil von sich. Ein Anteil, der dazugehören darf, drängt nicht mehr danach, im Kind bekämpft zu werden; und der Blick, der dann auf das Kind fällt, wird endlich frei — frei, das Kind zu sehen statt meiner selbst.

Seine Kraft aber geht dabei nicht verloren. Der eingegliederte Drache erlischt nicht; er wendet sich. Dieselbe Glut, die eben noch verletzen wollte, wärmt nun — sie wird zu Klarheit, zu Mut an der Grenze, zu der schützenden Stärke, mit der ich mich vor ein Kind stelle. Nicht das Feuer war das Problem, sondern seine Richtung. Aus der dunklen Seite wird die helle.

Reflexionsraum

Drei Fragen an dich

Erinnere dich an einen Blick, der dich festgelegt hat — anerkennend oder verletzend. Was hat er dir über dich selbst gesagt, das du lange geglaubt hast?

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Wessen Seite könntest du herausreißen? Wo trägst du einen „Drachen“ in dir — eine eigene Wunde, die du im Verhalten eines Kindes bekämpfen würdest, statt sie bei dir zu erkennen?

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Bald hält dir jemand etwas von sich hin — ein Kind, ein Mensch, der auf deinen Blick wartet. Es muss keine Heftseite sein; es kann ein Satz sein, ein Versuch, ein ganzes Leben. Welchen Blick willst du ihm schenken? Und woran würde er spüren, dass du „Ja, das bist du“ meinst?

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Mache deinen Vorsatz zu einer persönlichen Leitgedanken-Karte.

Literatur- & Quellenangaben

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Ende

Was sich im Blick des Anderen spiegelt, wird zum Bild, in dem ein Kind sich selbst erkennt.

Martin Schäpe

„Ein Riss im Spiegel“ — eine Fallgeschichte über Anerkennung und Missachtung in pädagogischen Beziehungen

Beobachtung aus dem Praxissemester · Master · Universität Bielefeld

RPS-Prüfung · Bildungswissenschaften (BiWi) · Wintersemester 2024/25

Seminarleitung · Prof. Dr. Birgit Lütje-Klose

Theoretischer Rahmen · Sartre · Lacan · Winnicott · Erikson · Hegel · Honneth · Levinas · Prengel · LSCI — Reckahner Reflexionen

Illustrationen im Kupferstich-Stil · Diagramme nach INTAKT (Prengel u. a.)